Löwenmähne im Fokus der Forschung – der Pilz des Jahres 2026 im Porträt 

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Wie kommt es also, dass die Löwenmähne aktuell so stark im Fokus der Forschung steht? Wenn es um Konzentration geht, denken die meisten zuerst an Bekanntes wie z.B. Kaffee, Mate oder Ginkgo. Dass nun ausgerechnet ein zottelig-weißer Waldpilz in der Wissenschaft zunehmend Aufmerksamkeit bekommt, scheint auf den ersten Blick eher überraschend.

Warum die Löwenmähne zum Pilz des Jahres 2026 gewählt wurde

Natürlicher Gehirnbooster Löwenmähne - Poster zum Pilz des Jahres 2026 der DGfM
Poster zum Pilz des Jahres der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (Quelle: https://www.dgfm-ev.de/pilz-des-jahres/2026)

Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) wählt jährlich einen Pilz aus, um Aufmerksamkeit für besondere Arten und ihre Lebensräume zu schaffen. 2026 fiel die Wahl auf den Igelstachelbart (Hericium erinaceus), besser bekannt als Löwenmähne.

Der Pilz ist ökologisch bemerkenswert: In Deutschland wächst er meist an alten, absterbenden Laubbäumen und gilt vielerorts als selten. Mit der Wahl zum Pilz des Jahres soll daher nicht nur das Interesse an seinen Eigenschaften geweckt werden, sondern auch der Schutz alter Wälder und naturnaher Lebensräume stärker ins Bewusstsein rücken.

Quelle: https://www.dgfm-ev.de/pilz-des-jahres/2026

Was den Pilz für die Forschung interessant macht, ist weniger eine versprochene „Extra-Leistung" als vielmehr die Frage, welche Rolle bestimmte Inhaltsstoffe im Nervensystem spielen könnten. Genau dieser Forschungsstand – nicht eine pauschale Wirkaussage – steht im Fokus der Forschung und damit auch im Mittelpunkt dieses Beitrags.

Wer sich fragt, warum Löwenmähne gerade jetzt so oft im Fokus wissenschaftlicher Veröffentlichungen auftaucht, findet die Antwort in einer Kombination aus zwei Faktoren: der Auszeichnung als Pilz des Jahres 2026 und einer wachsenden Zahl präklinischer Arbeiten zu Hericium erinaceus. Beides zusammen hat den Pilz in den letzten Jahren stärker in den Fokus der mykologischen und ernährungswissenschaftlichen Community gerückt.

Was ist Löwenmähne – und warum heißt sie auch Igelstachelbart?

Hericium erinaceus trägt seinen Spitznamen nicht ohne Grund: Statt Hut und Stiel bildet der Pilz lange, weiche „Stacheln", die wie ein Pompon oder eben wie eine Löwenmähne aussehen. Diese herabhängenden Stachelstrukturen erinnern an einen zotteligen kleinen Insektenfresser – daher der deutsche Name Igelstachelbart.

In der Küche wird er wegen seiner Textur geschätzt: faserig, saftig, für manche mit einer leicht meeresfruchtartigen Note. In Ostasien wird er seit langer Zeit traditionell verwendet. In der heutigen Forschung interessiert man sich vor allem für mögliche Zusammenhänge mit Prozessen im Nervensystem – dazu weiter unten mehr.

Löwenmähne im Fokus der Forschung: Was bislang untersucht wurde

Wer sich mit Hericium erinaceus beschäftigt, stößt schnell auf eine Handvoll Begriffe, die in der Literatur immer wiederkehren: Nervenwachstumsfaktor (NGF), neuronale Plastizität, oxidativer Stress, Entzündungsmarker. Wichtig vorab: Der überwiegende Teil dieser Forschung ist präklinisch – also Zellkultur- oder Tiermodelle – und lässt sich nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragen. Nur eine Handvoll Arbeiten hat bislang Menschen untersucht.

Löwenmähne im Fokus der Forschung – Infografik zu Hericium erinaceus

Nervenwachstumsfaktor (NGF) in Zell- und Tiermodellen

NGF ist an Überleben, Wachstum und Regeneration bestimmter Nervenzellen beteiligt. In präklinischen Modellen wurden Verbindungen zwischen Inhaltsstoffen der Löwenmähne – vor allem Erinacine und Hericenone – und NGF-bezogenen Prozessen beschrieben. Eine häufig zitierte Arbeit von Tohda und Kollegen gehört zu diesem Forschungsfeld.

Studie: pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23735479

Eine Humanstudie zu älteren Erwachsenen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung

Mori und Kollegen führten eine doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit älteren Erwachsenen durch, die über 16 Wochen Hericium erinaceus einnahmen. In den kognitiven Testergebnissen der Studiengruppe zeigten sich im Vergleich zur Placebogruppe Unterschiede; nach Absetzen der Einnahme näherten sich die Werte laut den Studienautoren wieder an. Es handelt sich um eine einzelne, kleine Studie in einer spezifischen Patientengruppe – daraus lässt sich keine allgemeine Aussage für gesunde Erwachsene ableiten.

Studie: pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18844328

Übersichtsarbeiten zu neuroprotektiven Mechanismen

Mehrere Reviews fassen mögliche Mechanismen und bioaktive Inhaltsstoffe zusammen, ohne selbst neue klinische Daten zu liefern. Sie sind eher als Bestandsaufnahme des aktuellen Forschungsstands zu verstehen denn als Wirksamkeitsnachweis.

Review: PMC7582347 Review: PMC6521003

Gedächtnis, Hippocampus und Neurogenese – was Tiermodelle aTiermodelle zu Hippocampus und Neurogenesendeuten

Eine weitere präklinische Arbeit wird häufig im Zusammenhang mit Hippocampus-Funktionen genannt – jener Hirnregion, die für Lernen und Gedächtnis eine zentrale Rolle spielt. Auch hier gilt: Tiermodell, kein Beleg für Effekte beim Menschen.

Studie: pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24266378

Einordnung

Zusammengenommen zeichnen diese Arbeiten ein Forschungsfeld, das sich noch überwiegend im präklinischen Stadium befindet. Die vorhandene Humanforschung ist begrenzt, meist klein angelegt und bezieht sich auf spezifische Patientengruppen. Weitere, größer angelegte Studien am Menschen wären nötig, um belastbarere Aussagen treffen zu können. Wer sich näher informieren möchte, sollte die verlinkten Originalarbeiten und Reviews selbst einsehen.

Löwenmähne Pilz des Jahres 2026 unter dem Mikroskop

Traditionelle Verwendung in Ostasien

Bevor Hericium erinaceus in westlichen Laboren in den Fokus der Forschung rückte, war er in Teilen Ostasiens – insbesondere in China und Japan – bereits seit Jahrhunderten Teil der Küche und der traditionellen Verwendung. In China ist der Pilz unter dem Namen „Hóu Tóu Gū" (猴頭菇, wörtlich „Affenkopf-Pilz") bekannt und wurde historisch sowohl als Delikatesse als auch als Bestandteil traditioneller Rezepturen geschätzt. In Japan trägt er den Namen „Yamabushitake", benannt nach den Yamabushi, asketischen Bergmönchen, deren zottelige Gewänder an die Struktur des Pilzes erinnern sollen.

Diese lange kulturelle Tradition ist einer der Gründe, warum Hericium erinaceus überhaupt so früh in den Fokus moderner Forschungsgruppen geriet: Traditionelle Verwendung liefert häufig die ersten Anhaltspunkte dafür, welche Pilze und Pflanzen sich für eine systematische wissenschaftliche Untersuchung lohnen könnten. Das ist kein Wirksamkeitsnachweis, aber ein plausibler Ausgangspunkt für die heutige Laborforschung.

Löwenmähne im Fokus der Forschung – Zeitleiste zur Hericium-Verwendung im Laufe der Jahrhunderte

Kulinarisch: ein vielseitiger Speisepilz

Unabhängig vom Forschungsinteresse ist die Löwenmähne schlicht ein bemerkenswerter Speisepilz. Frisch hat sie eine milde, leicht nussige Note mit Umami-Charakter; ihre Textur – faserig und saftig – wird von vielen als Highlight beschrieben.

Gängige Zubereitungsarten:

  • in Scheiben geschnitten und kurz angebraten
  • in Stücken in Suppen oder Eintöpfen
  • als herzhaftes Topping in Bowls

Neben dem frischen oder getrockneten Fruchtkörper gibt es Löwenmähne auch als Pulver oder in Form von Extrakten (etwa Doppelextrakten aus Alkohol- und Heißwasserextraktion, die unterschiedliche Stoffgruppen erfassen sollen). Zur Dosierung solcher Produkte lässt sich pauschal nichts Belastbares sagen – sie hängt stark von Konzentration, Herstellungsverfahren und individuellen Faktoren ab. Wer ein konkretes Produkt verwenden möchte, orientiert sich am besten an den Angaben des jeweiligen Herstellers und im Zweifel an ärztlichem oder ernährungsfachlichem Rat, insbesondere bei bestehenden Erkrankungen, Medikamenteneinnahme oder in Schwangerschaft und Stillzeit.

Häufige Fragen zur Löwenmähne

Igelstachelbart wächst am Stamm eines Laubbaums im Wald – Nahaufnahme von Hericium erinaceus

Ist Löwenmähne dasselbe wie Igelstachelbart?

Ja. „Löwenmähne" und „Igelstachelbart" bezeichnen dieselbe Art, Hericium erinaceus. Beide Namen sind im Deutschen gebräuchlich.

Wo wächst die Löwenmähne in Deutschland? Meist an alten, geschwächten oder absterbenden Laubbäumen, vor allem an Buche. Aufgrund seiner Seltenheit steht der Pilz vielerorts unter besonderer Beobachtung – gesammelte Exemplare sollten daher, wo rechtlich vorgeschrieben, geschont bzw. gemeldet statt entnommen werden.

Ist der Forschungsstand zur Löwenmähne bereits eindeutig? Nein. Der Großteil der bisherigen Arbeiten ist präklinisch, die Humanforschung ist noch überschaubar. Die Löwenmähne steht zwar im Fokus der Forschung, ein abschließendes wissenschaftliches Urteil steht aber noch aus.

Fazit

Die Löwenmähne ist als Pilz des Jahres 2026 zu Recht im Gespräch: ökologisch als Bewohnerin alter Wälder, kulinarisch als vielseitiger Speisepilz mit jahrhundertelanger Tradition in Ostasien, und wissenschaftlich als Gegenstand einer wachsenden, aber noch überwiegend präklinischen Forschung zu Nervenzellprozessen. Dass Löwenmähne im Fokus der Forschung steht, ist also kein Zufall, sondern das Ergebnis aus Seltenheit, kulinarischer Tradition und einem sich langsam entwickelnden wissenschaftlichen Bild. Wer sich für das Thema interessiert, findet in den oben verlinkten Originalarbeiten einen guten Ausgangspunkt für die eigene Recherche.


Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung, Anwendungsempfehlung oder Verzehrempfehlung dar. Die zitierten Studien beziehen sich überwiegend auf präklinische Untersuchungen oder Humanstudien unter kontrollierten Bedingungen; sie erlauben keine pauschalen Rückschlüsse auf eine Wirkung im Einzelfall. Bei gesundheitlichen Fragen oder vor der Anwendung von Vitalpilzen sollte immer ein Arzt oder eine andere qualifizierte Fachperson konsultiert werden.

Quellenübersicht

Tiermodell zu Hippocampus/Neurogenese: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24266378/

DGfM, Pilz des Jahres 2026: https://www.dgfm-ev.de/pilz-des-jahres/2026

Tohda et al. – NGF-bezogene Prozesse: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23735479/

Mori et al., 2009 – Humanstudie zu kognitiven Testergebnissen: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18844328/

Review zu neuroprotektiven Mechanismen: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7582347/

Übersicht zu bioaktiven Inhaltsstoffen: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6521003/

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